To The Museum Of Modern Dreams – Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart
August 23rd, 2012 | Posted by in Kunst & Kultur | NewsEine schmale Holzkiste, aus dem am linken oberen Ende ein üppiger goldener Rahmen lugt. Nur die Ecke des Bildes ist erkennbar – blau, himmelblau. Was mag sich nur auf dem Bild befinden? Eine Landschaft, etwas Abstraktes, ein Akt? „To the Museum of Modern Dreams“ steht als Adressat in Druckbuchstaben schräg über das Holz geschrieben. Das ist auch der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 30. September in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen ist.
140 Werke von 21 Künstlern werden hier präsentiert, „Künstlerpositionen der 1960er- bis 1980er-Jahre“. Sie alle stammen aus dem „Vermächtnis Günther und Renate Hauff“ sowie der „Konrad-Kohlhammer-Stiftung“. Die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart, eines der meist besuchten deutschen Kunstmuseen, bereichern die Stiftungen ohne Frage. Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen – für das kunstliebende Auge ist viel Abwechslung geboten. Und auch, wer sich nicht in der Welt der Kunst mit ihren Epochen, Schöpfern und Techniken auskennt, hat seine Freude beim Betrachten der Ausstellungsstücke. Nur drei davon wollen wir uns mit dem Auge des Laien genauer anschauen:

Mario Merz, Ohne Titel (Iglu), 1988, Vermächtnis Günther und Renate Hauff, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Die Kuppel des Reichtags? Eine Skizze des Architekten? Mitnichten. „Ohne Titel (Iglu)“ (1988) nennt Mario Merz ganz inkonsequent sein Werk. Hier lohnt es sich, ein bisschen länger stehenzubleiben und zu spekulieren. Mario Merz (1925 bis 2003) war der Hauptvertreter der italienischen Kunstrichtung Arte Povera, der armen Kunst. Warum arm? Weil die Materialien, aus denen die Werke geschaffen wurden, ganz alltäglich sind – von Schnüren bis zu Scherben und Holzstücken. Iglus waren Merzs Lieblingsmotiv – für ihn stellte diese Form das Ursprüngliche dar. Eine halbe Weltkugel, ein Maulwurfshaufen oder ein Hügelgrab? Ein Iglu. Merz formte Iglus aus den verschiedensten Materialien und blieb dieser Form treu.

Barnett Newman, Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue II, 1967, Staatsgalerie Stuttgart© VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Zum Spekulieren laden auch Barnett Newmans Bilder ein. Einfach nur Streifen, einfach nur Farben? Ach, „Who’s afraid of red, yellow and blue II“ (1967) nennt der Künstler seine Acrylmalereien. Fürchten? Nun, das gerade nicht. Oder doch? Fürchten muss sich vor Barnett Newmans (1905 bis 1970) Werken eigentlich keiner – obwohl seine Werke durchaus konträre Reaktionen hervorriefen. Auf „Who’s afraid of red, yellow and blue IV“ drosch ein Besucher 1982 in der West-Berliner Neuen Nationalgalerie ein, das dritte Exemplar der Reihe wurde mit Messerstichen attackiert, die Presse verfuhr nicht immer schmeichelhaft mit Newmans Werken. Der Expressionist prägte die Farbfeldmalerei – wie das genannte Gemälde deutlich zeigt. Den Kritikern erscheint dieser Stil wohl als zu simpel.

Robert Motherwell, End Page, aus: A la Pintura / To Painting, 1968-72, Konrad Kohlhammer-Stiftung, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012/ Robert Motherwell / Dedalus Foundation, Inc
Ein Blatt Papier, darauf ein blauer Block und ein geschwungener Schriftzug. „A la pintura“, was so viel heißt wie „An die Malerei“. Das ist die „End Page“ der Reihe „A la pintura/To painting“ von Robert Motherwell. Die letzte Seite? Warum nicht die erste? Und was könnte dazwischen sein? Robert Motherwell war ein Vertreter des Surrealismus und Abstrakten Expressionismus und lebte von 1915 bis 1991 in den USA. Den Surrealisten ging es darum, das Verstandesbetonte auszuschalten und dem Abstrakten und Absurden Raum zu geben. In die selbe Richtung geht der Abstrakte Expressionismus, der sich Spontanes, Emotionales – und Unerwartetes zu Herzen nimmt. Motherwells Werke sind dominiert von dicken schwarzen Pinselstrichen, Klecksen, ja, Schmierereien möchte man sagen. Nicht immer gesellt sich Farbe dazu.
Ja, und dann wieder der goldene Rahmen, der aus der Holzkiste hervorspitzt – Robin Page ist der Schöpfer dieses Werks aus dem Jahr 1973. „To the Museum of Modern Dreams“ – wer so ein Traum-Museum anschauen mag, der sichert sich am besten gleich Tickets für die Staatsgalerie Stuttgart hier bei Regiondo. Regelmäßig finden Führungen durch die Ausstellung statt. Und auch Kindern ermöglicht die Staatsgalerie den Zugang zu Moderner Kunst mittels Kinderpraxisführungen.
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