Oktoberfest-Special: Die Bayerischen Top 10, Teil 1
September 26th, 2012 | Posted by in News
Es ist Wiesn-Zeit – als Münchner Unternehmen sind wir selbstverständlich voll dabei. Heute nutze ich die Gelegenheit, Dir zehn bayerische Kulturgüter ans Herz zu legen. Zuagroaste können vielleicht noch was lernen und fühlen sich zumindest gut unterhalten – Einheimische finden sich hoffentlich wieder und können nickend schmunzeln. Hier kommen die ersten fünf:
- DIE WIESN Ja, das Fest der bayerischen Feste soll an erster Stelle stehen. Auf der inzwischen 179. Wiesn kostet die Maß heuer zwischen 9,10 und 9,50 Euro – dennoch wird der Durst der Gäste die Zapfhähne nicht versiegen lassen. Ganze Radifelder, komplette Ochsenherden und mehrere Hendl-Mastbetriebe werden auch heuer wieder verschlungen. Gleich mal zum Ortographischen – es heißt wenn dann schon „Wiesn“. Es handelt sich um eine Wiese, nicht um mehrere – darum ist „Wies’n“ oder „Wiesen“ schlichtweg falsch. Weiter zum Historischen: Ort des Geschehens ist die Theresienwiese. Wer die Therese war? Sie war die Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, die mit dem bayerischen Kronprinzen Ludwig – dem späteren König Ludwig I. – verheiratet war. Als Abschlussveranstaltung der Hochzeitsfeierlichkeiten hielt man im Jahre 1810 auf der Wiesn ein Pferderennen ab. Dies wurde zur Tradition – bald gesellten sich Landwirtschaftsfeste und Karusselle dazu. Das erste Bierzelt wurde aber erst 1896 aufgestellt. Und inzwischen wird das zünftige Fest jährlich von fast sieben Millionen Leuten heimgesucht, allen voran Italienern und Australiern, wie es scheint.
- DIE SPRACHE Man spricht bairisch – ja, mit „ai“ wird das Bairische geschrieben. Studien bescheinigen dem Bairischen regelmäßig, dass es unter den in Deutschland gesprochenen Dialekten am beliebtesten ist, ja, sogar regelrecht sexy – immerhin 50 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Das freut uns! Sprachwissenschaftlich betrachtet spricht man nicht in ganz Bayern Bairisch, dafür im Großteil Österreichs und sogar in Italien – der sympathische Dialekt wird in Ober- und Niederbayern sowie in der Oberpfalz und bis nach Wien, Graz, Klagenfurt und Bozen gesprochen. Wie so viele Dialekte ist leider auch das Bairische auf dem absteigenden Ast – seit dem Jahr 2009 steht das Bairische im UNESCO-Weltatlas der bedrohten Sprachen. Einheitskauderwelsch anstatt regionale Vielfalt? So manches spricht dafür, vieles aber auch dagegen. Gefühlt erleben Heimatbewusstsein und ein gesundes Bekenntnis zur Herkunft ein Revival – was sich nicht zuletzt in der wahren Flut an Regionalfilmen widerspiegelt. Wer zum Bairischen steht und es öffentlich pflegen möchte, kann dies beim Förderverein Bairische Sprache und Dialekte oder beim Bund Bairische Sprache tun.
- DIE SCHMANKERL Die Bayern sind ein Genießervolk – ja, freilich, es soll ja kaum einen Menschenschlag geben, der das leibliche Wohl nicht hochpreist. Spezialitäten gibt’s überall. Und in Bayern fallen diese gern deftig aus: Schweinsbraten mit Knödeln und Kraut, Weißwürste mit süßem Senf und Brezn, Bratensülze mit Bratkartoffeln, Brotzeitbrettl mit Geselchtem, Kren, Radi, Griebenschmalz, Obatzdn, Mehlspeisen wie Dampfnudeln, Leberkaas, Schmalzgebackenes, Datschi und und und… Da könnte einem schön das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hab ich da was vergessen? Ja, das Bier. Bayern hat den süffigen Gerstensaft zwar nicht erfunden, was kaum zu glauben ist. Nein, schon die alten Ägypter, Römer und Kelten erfreuten sich an bierartigen Gebräuen. Legendär ist jedoch das Bayerische Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516, nach dem nur Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Wasser als Zutaten gelten.
- DER GRANT Grant, was ist das? Als Grant wird gewissermaßen das bayerische Gemüt bezeichnet, eine Weltanschauung, die Art des Bayern. Deswegen muss man nicht gleich ein Grantler sein, also einer, der an allem etwas auszusetzen hat. Nein, ich meine, der Grant steckt in jedem Bayern. Sogar in mir. Nichtbayerische Freunde haben mir schon oftmals einen sehr trockenen, weniger sensiblen Wesenszug attestiert – der aber nur so rüberkommt und keineswegs so gemeint ist. Das ist der Grant! Der Duden liegt mit seiner Interpretation knapp daneben – von „Übellaunigkeit“ kann nicht die Rede sein – von „Unmut“ schon. Man sagt, was einem nicht passt, und zwar deutlich und mehr oder minder ausführlich. Und das äußerst lebensweise – man spricht schließlich aus Erfahrung. Im Grant liegt ein Urpessimismus, ein begründeter. Eine Ode an dieses bayerische Kulturgut hat Thomas Grasberger geschrieben, der den Grant als bayerischen Blues versteht. Und wer jetzt immer noch nicht kapiert hat, was Grant ist, bildet sich mit Gerhard Polt weiter.
- DIE POLITIK Über Politik soll man ja nicht reden, da kann ja nix Gscheids herauskommen. Und jetzt noch laut zu sagen, wie schwarzmalerisch Bayern in den meisten Ecken ist – ach, kann doch keiner mehr hören. Unter uns gesagt: Bayern wird unterschätzt. Auch politisch. Die Amigo-Wirtschaft eines Franz-Josef Strauß? Bayern hat das Zeug zum eigenen Staat, hätt schon längst passieren müssen? Der Ude und der Seehofer, was wird denn das? 2013 bleibt eh alles beim Gleichen? Stammtisch-Gschmatz. Mit Grant und Schmankerl, versteht sich. (alle Fotos: Regiondo)
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